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Schmerz komm her

„Schmerz komm her – und sofort!“ – wer kann das denn wollen, fragen Sie sich vielleicht.

Die meisten Menschen versuchen Schmerzen zu vermeiden und wenn sie da sind, möglichst schnell wieder los zu werden. Ob es sich um körperliche oder seelische Schmerzen handelt – Schmerzen beschäftigen uns, nehmen uns in Beschlag, behindern uns, quälen uns. Kein Wunder, dass sich fast niemand Schmerz herbeiwünscht oder ihn freudig annimmt. Wir bewerten Schmerzen in der Regel negativ und fühlen uns von ihnen eingeschränkt, wir erleiden sie.

Der Satz „Schmerz komm her – und sofort!“ stammt von meinem Ausbilder in Gestalttherapie, dem Psychotherapeuten Rainer Pieritz. Ich sehe darin einen sehr zentralen Ansatz der Gestaltarbeit knackig ausgedrückt – wie wir nämlich von der Vermeidung, dem passiven Erleiden von Teilen unseres Lebens, in die Selbst-Wahrnehmung und das aktive Gestalten unseres Lebens, unserer Existenz, wechseln können. Die Energie, die ich normalerweise darauf verwende meinen Schmerz nicht zu spüren oder zu beseitigen, verwende ich dann darauf, den Schmerz tatsächlich anzuschauen, zu fühlen, zu erfahren und mit ihm zu arbeiten. Ich kann Aspekten meines Selbst damit einen Raum geben und sie schließlich integrieren.

Am eigenen Schmerz dran zu bleiben ist nicht unbedingt eine einfache Übung. Aber sie lohnt sich. Auch im Fall von körperlichen Schmerzen lohnt sich dieser ganzheitliche Blick auf den Zusammenhang zwischen Körper, Geist und Seele. Wie sind sie verbunden oder getrennt, wie ist mein individueller „Set-Up“ und welcher Aspekte bin ich mir bewusst und wo tappe ich noch im Dunklen. In der Gestaltarbeit geht es dabei nicht ausschließlich um ein Verstehen, also eine geistige, verstandesmäßige Herangehensweise. Wir wählen stattdessen einen integrativen Ansatz, die ganzheitliche Erfahrung – eben auch des Schmerzes. Und das im vollen Vertrauen darauf, dass sich das, was Raum bekommt und sich wirklich entfalten und ganz zeigen darf, dann auch verändern darf und wird.

Vielleicht haben Sie unten auf meiner Seite das Zitat von Arnold Beisser schon entdeckt: „Veränderungen finden von allein statt. Wenn wir tiefer in das eindringen, was wir sind, wenn wir akzeptieren, was da ist, kommen die Veränderungen von allein. Das ist das Paradoxon der Veränderung.“ In diesem Sinne können wir uns auch unserem Schmerz zuwenden, ihm Raum geben und erfahren wie er sich verändert. Dabei unterstütze ich Sie gerne mit meiner Arbeit.

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