Der unkooperative Körper

Der unkooperative Körper

Körper und Geist stehen nicht immer in einem harmonischen Verhältnis zueinander.

So haben wir oft genaue Vorstellungen und Erwartungen an unseren Körper: er soll leistungsfähig sein, gut aussehen und jung bleiben soll er auch, vielleicht auch eine bestimmte Form haben und behalten, möglicherweise den gerade aktuellen gesellschaftlichen Normmaßen entsprechen. Aber vor allem soll er gesund sein, denn, wie heißt es so schön bei Schopenhauer „Die Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts“. Wenn der Körper da nicht mitspielt, nicht so funktioniert oder aussieht wie wir möchten, fällt er schon mal beim Geist in Ungnade – vielleicht ist die Haut „überempfindlich“, der Darm „gereizt“ oder die Arme sind „schwabbelig“. Manchmal neigen wir dazu ganze Körperteile oder Organe eher als Störfaktoren zu begreifen als sie als Teile von uns zu verstehen. Wir sind im eigentlichen Sinne des Wortes nicht zu-Frieden mit unserem Körper.

Dabei sind Körper und Geist, sowie die Seele, wichtige und quasi gleichberechtigte Teile unseres Selbst – und stehen in enger wechselseitiger Verbindung zueinander.
Wenn die Anteile in lebendigem Austausch sind können wir unseren Selbst-Erfahrungsraum und auch unseren Handlungsspielraum erweitern. Denn dann bewegen wir uns in einer Lernzone, sind wach und präsent, gut im Kontakt mit unserem ganzen Selbst. Wir fühlen uns „stimmig“ und sind im positiven Sinne anpassungsfähig, das heisst wir können uns gut auf unsere Umgebung einstellen, sie für uns gestalten und uns darin entwickeln.

Unser Körper gibt uns dabei kontinuierlich Feedback. Wenn wir liebevoll und achtsam damit umgehen, lohnt sich vielleicht ein anderer Blick auf die empfindsame Haut, die die Kontaktgrenze zwischen unserem Selbst und unserer Umwelt bildet. Wir können auch einmal das anders betrachten, was uns so reizt, dass wir es nicht einfach verdauen können. Oder uns die besondere Qualität des Schwabbelns unserer Arme anschauen und was es für uns individuell bedeutet.

Was fällt Ihnen gerade jetzt an Ihrem Körper auf? Versuchen Sie es einmal neutral, ohne Bewertung, für sich zu beschreiben. Was hat es mit Ihrem Leben zu tun?

In der Gestaltarbeit beziehen wir den Körper immer in unsere Arbeit ein, denn er erzählt oft eine andere Geschichte, oder einen anderen Aspekt der Geschichte, als unser Geist. So ist es möglich uns vollständiger, ganzheitlicher wahrzunehmen und bewusster zu entscheiden, was bisher automatisiert ablief.

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