Kippbild Hase/Ente

Was soll die Ente hier?

Welche Ente? Das ist doch ein Hase!

Der Hase bzw. die Ente im Bild ist ein klassisches ‚Kippbild‘. Ich kann es als Hase oder als Ente sehen, aber nie zur gleichen Zeit beide Optionen wahrnehmen.
Mit einem Kippbild lässt sich gut illustrieren, wie unsere Wahrnehmung funktioniert und wie die sogenannte ‚Gestaltbildung‘ im Sinne der Gestaltarbeit abläuft:

Aus einer Vielzahl vorhandener Informationen (Bilder, Töne, Gerüche etc.) tritt eine Information in den Vordergrund unserer Wahrnehmung. Wir beschäftigen uns z.B. mit dem Bild der Ente, merken plötzlich dass es auch ein Hase sein kann wenn wir anders darauf schauen, schließen die Betrachtung zufrieden ab und widmen uns wieder anderen Themen. Das Thema Hasen-/Entenbild ist abgeschlossen, in der Gestalttherapie sagen wir: Die Gestalt ist rund. Und dann tritt sie wieder in den Hintergrund unseres Bewusstseins. Aber sie geht auch in unseren Erfahrungsschatz ein und steht uns in Zukunft als Hintergrund in neuen Situationen zur Verfügung – jedenfalls dann, wenn die Erfahrung für uns relevant war und ist.

Manche Gestalten neigen jedoch dazu nicht rund zu werden – und bleiben über einen langen Zeitraum offen.
Es sind Themen an denen wir lange herum grübeln und mit denen wir einfach nicht weiterkommen. Ein Gefühl, das uns immer wieder runterzieht und sich scheinbar nicht verändert, auch nach Lektüre toller Lebensratgeber nicht. Wünsche, die uns Jahre beschäftigen, aber wir keine wirksamen Schritte machen, sie uns zu erfüllen. Die lang beschlossene Aussprache mit der Mutter oder dem Chef, die wir immer wieder verschieben. All das sind Themen, die uns oft Energie und Zeit kosten und trotzdem nicht ‚rund‘ werden, keinen guten Abschluss finden.

In der Gestaltarbeit geht es darum, einen Raum zu schaffen, in dem wir unsere Themen ganz und ganzheitlich erfahren können. Wir schauen uns quasi die Ente/den Hasen genau an, ziehen auch mal am Schnabel, lassen ihn springen oder quaken, reflektieren unsere Haltung und unser Gefühl, kommen ins Gespräch – so lange bis wir spüren, was eigentlich Sache ist. Und dann darf das Bild auch ‚kippen‘, rund werden und irgendwann in den Hintergrund treten und Platz für Neues machen.

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