Häh?

Vom Wert der Irritation

In dieser Woche hatte ich ein Erlebnis, das mich so richtig durcheinandergebracht hat. Ich war bei einem Körpertherapeuten wegen meines schmerzenden Arms und hatte dort eine Massage erwartet. Er hat auch massiert, und das nicht nur den Arm, sondern auch andere Körperbereiche, die aus seinem Verständnis mit dem Problem zusammenhängen. Darüber hinaus hat er jedoch meinen Arm ‚bewegt‘, und zwar so, wie ich ihn selbst nie bewege. Er hat an Stellen gezogen und gedreht, geschoben und wer weiß was noch gemacht – es hat mir fast ‚den Vogel rausgehauen‘.

Mein Kopf hat versucht zu verstehen, was da vorgeht, ist aber nicht weit gekommen. Die Bewegungen waren ’neu‘ und seltsam. Mein Körper hat versucht einzuschreiten, ein bisschen dagegen zu drücken, mitzumachen, wo er gar nicht wusste wobei eigentlich.

Ich musste lachen, als ich gemerkt habe, was ich da mache und als ich das dem Therapeuten erzählt habe, hat er auch gelacht und gesagt „Gut so!“.

Irritationen können unser System gehörig durcheinander bringen, körperlich genauso wie geistig. Wenn unsere Umwelt nicht so ist wie in unserer Vorstellung, Menschen sich anders verhalten, Situationen unverständlich sind, verlieren wir auch ein Stück weit unsere komfortable Sicherheit. Wir kennen uns nicht mehr aus. Das kann sich bedrohlich anfühlen oder interessant, je nachdem, wann, wo und wie das passiert und wie wir gerade drauf sind.

Im Coaching oder in der Therapie arbeiten wir bewusst mit Irritationen, ähnlich wie mein Körpertherapeut. Denn erst wenn wir merken, dass es nicht so weitergehen kann wie gewohnt und wir die Möglichkeit haben unsere Glaubenssätze und normalen Verhaltensweisen zu hinterfragen, kann es weitergehen. Sonst spulen wir einfach unser bewährtes Programm ab – und dazu brauchen wir keinen Coach. Aber wenn wir dastehen und verwirrt sind, mit einem „Häh?“ im Gesicht, dann kommt etwas in Bewegung. Und das ist eine sehr wichtige Stelle in der persönlichen Entwicklung.

Das Alte, Bekannte, beginnt seine alleinige Gültigkeit zu verlieren, aber das Neue ist noch nicht ganz da. Jetzt kann es gewissermaßen in alle Richtungen gehen, wir sind irritiert und unsicher.

Vielleicht zieht es uns jetzt zurück auf den sicheren Boden der Erfahrung, des Gewohnten. Dann versuchen wir die Irritation abzuwehren oder zu ignorieren.

Oder wir nehmen die Herausforderung an und schauen uns genauer an, was uns da so irritiert. Gehen also bewusst in das Gefühl der temporären Unsicherheit und erkunden, wie wir das erleben. Probieren aus was passiert, wenn wir nicht gleich wieder sicheren Boden unter den Füßen haben.

Im Coaching biete ich einen geschützten Raum diese und andere Erfahrung mit sich zu wagen und biete meine professionelle Unterstützung dabei, die eigenen Herausforderungen anzunehmen.

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